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Was ist eine Weidenflöte (oder Weidenpfeife)?
Man kann im Frühjahr, wenn die Rinde eines Weidenbaums noch saftig
ist, aus einem frisch geschnittenen Weidenstock eine Flöte basteln.
Bläst man kräftig in sie hinein, so entsteht ein lauter Flötenton,
dessen Höhe man (in Grenzen) verändern kann.
Die Salweide eignet sich gut für Weidenflöten. Das ist die
Weide mit den gelben Kätzchen.
Der Bau dieser Flöte war früher ein Muss für jeden Jungen
in dieser Gegend (Lippe). Die Flöte hieß auf Plattdeutsch "Flöttjerpüaben"
(Flötenpfeife). In Süddeutschland heißt sie offensichtlich
Weidenpfeife
oder Weidenpfeifchen.
Die Flöte besteht aus dem Mundstück, aus dem Hohlkörper
aus Rinde und aus dem Stock als Halter und unteren Abschluss.
Basteln einer Weidenflöte
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1
Suche einen Weidenzweig mit einem möglichst langen Stück zwischen
zwei Ästen (bzw. Augen) und konstantem Durchmesser (etwa 1cm oder
mehr).
2
Schneide den Weidenzweig rechts senkrecht zur Stockrichtung mit einem scharfen
Messer ab (Schnitte immer rot gekennzeichnet). Schneide das linke Ende
erst ab, wenn die Flöte fertig ist.
3
Schneide das rechte Ende schräg an.
4
Entferne links die Rinde, so dass ein Ring entsteht. Schneide rechts oben
eine flache Kerbe, aber nicht zu weit rechts, so dass später ein Mundstück
entstehen kann.
5
Jetzt kommt der schwierigste Teil. Umfasse die Rinde fest mit der rechten
Hand und halte den Stock mit der linken Hand fest. Drehe vorsichtig die
Rinde ein klein wenig. Die Rinde bewegt sich - hoffentlich.
Lässt sich die Rinde so nicht lösen, so lege den Stock auf
ein Knie und schlage leicht auf jede Stelle der Rinde mit dem Griff des
Messers. Meist lässt sich dann die Rinde abdrehen und nach rechts
abziehen.
6
Schneide das Mundstück senkrecht zur Stockrichtung ab.
7
Schneide das Mundstück oben eben ab, so dass später ein Luftstrom
möglich ist. Vorsichtig! Nicht zu viel abschneiden. Besser später
bei Bedarf vergrößern.
8
Stecke das Röhrchen aus Rinde auf den Holzkörper und setze das
Mundstück ein. Die Flöte ist fertig.
In der folgenden Zeichnung wird der Luftraum
in der Flöte gelb dargestellt. Diese Luftsäule wird durch Anblasen
in Schwingungen versetzt. Die Länge der Luftsäule und damit die
Tonhöhe können verändert werden.
Über Nacht sollte man die Flöte
in Wasser legen. Trotzdem ist die Rinde nach ein paar Tagen ausgetrocknet
und die Weidenflöte funktioniert nicht mehr :-(.
Kopfweiden top
Die Weide ist seit Jahrhunderten typisch für die Landschaft Ostwestfalen-Lippe.
Längs der Flüsse Werre und Bega und deren Nebenbächen stehen
noch heute viele Kopfweiden. Das ist eine Wuchsform der Weide, die der
Mensch geschaffen hat.
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Früher war man vor allem an dünnen Weidenruten interessiert.
>Die Gefache der Fachwerkhäuser wurden mit einem Weidengeflecht
geschlossen. Darauf kam Lehm.
>Man brauchte sie für die Korbflechterei.
>Man fertigte aus ihnen Besen an. -
>Die dickeren Zweige dienten als Besenstiele. -
>Die Weide war auch ein schnell nachwachsendes Brennholz.
>Und man fertigte Holzschuhe aus Weidenholz. |
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Man hat den Weidenbaum oben abgeschnitten, so dass immer neue Triebe
wuchsen. Diese Ruten wurden regelmäßig abgeschnitten. Der Baum
wurde dicker und immer mehr Triebe konnten sich bilden. Sie wurden aber
kurz gehalten. So kam es zu einer besonderen Wuchsform und zum Namen Kopfweide.
Bei alten Weidenbäumen entstand oben in der Mitte totes Holz, das
mit der Zeit vermoderte und es entstanden Höhlen. Manche Bäume
brachen auseinander. Sie gaben vielen Tierarten vom Vogel bis zur Wespe
einen Lebensraum. |
Noch in der "schlechten Zeit" von 1945 bis 1950 wurden die Kopfweiden genutzt.
Danach wurden viele gefällt. Andere verwilderten und verloren ihre
typische Form. So langsam ist man sich der Bedeutung der Kopfweide als
typischer Baum unserer Landschaft und als Rückzugsort vieler Tierarten
wieder bewusst geworden. Umwelt-Organisationen haben sich ihrer angenommen.
Die Bauern schneiden die Kopfweiden wieder regelmäßig, etwa
alle 10 Jahre. Das Umweltzentrum Heerser Mühle meiner Heimatstadt
Bad Salzuflen hat sich in besonderer Weise der Weide angenommen. Dort hat
man z.B. lebende Zäune und Zelte aus Weiden gebaut. Das Umweltzentrum
liegt im Ortsteil Schötmar an der B237 direkt neben der Werre. Besucher
sind willkommen. Der Eintritt ist frei.
Weidenflöten
im Internet top
Deutsch:
Johannes Spangenbergs Sammlung Deutscher Gedichte
August
Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Die Weidenflöte
Alois Mauthofer
Bauanleitung
Weidenpfeifchen
Grundschule Langendiebach
Bauanleitung
Weidenpfeifchen
Labbé (zzzebra, das Web-Magazin für Kinder)
Weidenrutenflöte
Lukas-R. Pahlow
Bauanleitung:
Weidenflöte
Verlag Harri Deutsch
Piewitsch-Flöte
Wikipedia
Obertonflöte
Englisch:
Kim Fulton-Bennett
Instructions
for making a copper pennywhistle in the key of D
LiveJournal
The Willow Whistle
Wikipedia
Willow flute
Holländisch:
Jan Harm ter Brugge
Mei-
fluitje
Kommentar top
Peter Hüttemann aus Edewecht bei Oldenburg teilte mir mit, dass
sich auch Zweige der Eberesche (Vogelbeere) hervorragend für die Flöte
eignen. Sie wachsen dort wild und reichlich.
Ich kenne oberflächlich eine weitere, ziemlich in Vergessenheit
geratene Bastelei aus Weidenrinde: Man kann die Rinde spiralförmig
von einem Weidenstock lösen und dann eine trichterförmige Schalmei
herstellen. Mit Dornen wird die Schalmei zusammengehalten. Das Mundstück
wird extra angefertigt.
Anleitung bei
Adam Druschel: Flitzebogen und Schalmei, Hanau 1995
(ISBN 3-928100-34-3)
Feedback: Emailadresse auf meiner Hauptseite
Diese
Seite ist auch in Englisch vorhanden.
URL meiner
Homepage:
http://www.mathematische-basteleien.de/
©
2001 Jürgen Köller
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