Chronogramm
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Was ist ein Chronogramm?
Chronogramme in Bad Salzuflen
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Chronogramme in Deutsch
Chronogramme aus der Barockzeit
Chronogramme im Internet
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Was ist ein Chronogramm? 
Ein Chronogramm ist ein Satz, in dem Zahlen verschlüsselt sind. 

Chronogramme sind in Mitteleuropa als lateinische Hausinschriften weit verbreitet, aber wenig bekannt. 

Addiert man die Werte der als Buchstaben vorkommenden römischen Ziffern I,V,X,L,C,D,M im Satz, so ist die Summe das Baujahr des Hauses. Manchmal findet man das Baujahr am gleichen Giebel auch mit arabischen Ziffern geschrieben.

Ist das Chronogramm ein Hexameter, so heißt es Chronostichon. 
Ist das Chronogramm ein Distichon, so heißt es Chronodistichon. 
(nach Brockhaus Enzyklopädie, Wiesbaden 1968) 


Chronogramme in Bad Salzuflen     top

1.Beispiel: Lange Straße 7
In meiner Heimatstadt Bad Salzuflen wohnte von 1615 bis 1660 der Pfarrer und Superintendent Johann Loofher. Er schmückte die Fassade seines Hauses (jetzt Lange Straße 7) mit einem Chronodistichon.

......
Es lautet 
SIT LARIBVS NOSTRIS OPTO CONCORDIA CONSTANS NOSTER ET ASSIDVO LVCEAT IGNE FOCVS
(Mög' diesem Hause, so wünsch' ich, beständige Eintracht beschert sein, und unser Herdfeuer soll leuchten in dauerndem Glanz.[3])

Es folgt der Zusatz: DOMINUS PROVIDEBIT (Der Herr wird's richten). 

Die Summe der Werte der römischen Ziffern ist I+L+I+V+I+C+C+D+I+C+I+D+V+L+V+C+I+C=1621. 
Das ist das Baujahr des Hauses.

Es gibt zwei Schönheitsfehler: 
Fälschlicherweise ist bei einer Renovierung auch der Buchstabe T in NOSTRIS hervorgehoben worden und der Verfasser durfte im Wort FOCVS den Buchstaben V nicht berücksichtigten, um zur richtigen Jahreszahl zu gelangen. 
 
...... Der Name des Verfassers des Chronogramms stand früher (Photo von 1890) unter dem Chronogramm über dem Deelentor. 


2.Beispiel: Lange Straße 1     top
Ein Nachbarhaus (Lange Str.1) trägt die Inschrift 

SVRGE O IEHOVA ATQVE DISPERGE INIMICOS TVOS 
(Erhebe dich, o Jehova, und zerstreue deine Feinde.)
1625

Das Chronogramm ist der leicht abgeänderte Psalm 68,2. 
...... Die Zahl 1625 steht in arabischen Ziffern an anderer Stelle an der Fassade.

3.Beispiel: Bädermuseum    top
Im Bädermuseum in der Langen Straße ist im Eingangsraum ein Balken zu besichtigen, der zwei Chronogramme trägt. Er lag früher über der Toreinfahrt des Hauses des Georg Schröder, Loofhers Schwiegersohn, Turmstraße 23. 

Die erste Zeile lautet: 
GLORIA SIT DEO PAX IN TERRA ET HOMINIBVS BONA VOLVNTAS 
(Ehre sei Gott, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.) 

Die zweite Zeile lautet: 
PRINCIPIVM DEVS AETERNVS FINISQVE BEATV
(Anfang zugleich ist der ewige Gott und seliges Ende.) 

Aus jeder der beiden Zeilen ergibt sich die Jahreszahl 1630. 
Das erste Chronogramm stammt leicht abgewandelt aus der Weihnachtsgeschichte Lukas 2,14. Interessanterweise steht dieses Bibelwort auch auf der Umrandung des Baldachins der Kanzel der Kilianskirche im Ortsteil Schötmar.


4.Beispiel: Salzhof       top
Es wird berichtet, dass auf dem Salzhof ein Haus (Baujahr 1631) ein Chronostichon trug mit dem Wortlaut 

IOVE SALIS VIVIT DOMINVS LARGITOR ET AVTOR 
(Gott ist lebendig, der Herr, der Spender und Schöpfer des Salzes.)

Dazu gehört die Anekdote: 
Der damalige Reichtum der Stadt war Salzquellen zu verdanken. Der Landesherr Graf Simon VI. von Lippe/Detmold war Mitglied des Salzkollegiums und schloss mit der Stadt zu seinen Gunsten immer neue Verträge ab um sich zu bereichern. Nach seinem Tode wurde der landesherrliche Salzkotten abgerissen und an dieser Stelle das Amtshaus des Salzschreibers mit obigem Chronogramm errichtet. Die Stadt stellte richtig: Der wahre Herr des Salzes war Gott. 
...... Der nebenstehende Kupferstich von Elias von Lennep aus dem Jahre 1663 (Staatsarchiv Detmold) zeigt die Dampfwolke über der Stadt, die vom Salzwerk stammt. Die Sole wurde in Bleipfannen erhitzt, bis sich das Salz heraus kristallisierte.
Heute steht in Lippe eine Dampfwolke über der Stadt Lage, wo Zucker das Salz ersetzt hat.


Es gibt in Bad Salzuflen noch zwei weitere Fachwerkhäuser mit Resten von Chronogrammen, nämlich die Brandessche Apotheke am Markt und das Haus Schuseil in der Wenkenstraße. Die Chronogramme sind offenbar zerstört worden und heute schwer zu rekonstruieren (8). 

Weitere Chronogramme in der Umgebung Bad Salzuflens  top


In Detmold befindet sich in der Langen Straße 36 ein Chronogramm von 1594. 

TV RERVM CVSTOS EXTRVCTA HAEC TECTA POTENTER ALIS SVB GRATIS PROTEGE CHRISTE TVI
(Du Herr der Dinge, bewahre im Schutz deiner gnädigen Flügel mächtig und kraftvoll, Herr Christ, dies neuerrichtete Haus.[3]) 

Das Chronogramm ist ein Distichon. Die Fassade des Hauses wurde erst 1980 erneuert und dabei wurde das Chronogramm neben reichen Verzierungen entdeckt. Das Chronogramm musste teilweise rekonstruiert werden. 


Im Westfälischen Freilichtmuseum in Detmold gibt es ein von Kirchhunden-Flape (Kreis Olpe) nach Lippe importiertes Chronogramm.

EXTRVXERE ADES HANS ET CATARINA IVGALI STRICTI VINCLO QVAS DVLCIS REX SERVET IESVS

Jörg Steffen sandte mir die folgende Analyse des Chronogramms mit Übersetzung zu. 

EX(S)TRVXERE  (=exstruxerunt)  A(E)DES HANS  ET  CATARINA  IVGALI (=iugali)
STRICTI  VINCLO  QVAS  DVLCIS  REX  SERVET  IESVS

Hans und Catarina, durch das eheliche Band vereint, haben (dies) Haus errichtet, das Jesus, der süße König, bewahren möge.
1623


In Herford befindet sich über einem Seiteneingang der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist das folgende Chronogramm.
ECCLESIA TANDEM EXTENSA SIT INTRANTI LVX SALVS ET VITA
Dennoch breitete sich die Kirche aus, so dass Licht, Heil und Leben Eingang finden mögen.
Die Jahreszahl ist 1890.
Anmerkung: Ich gebe hier mit Vorsicht weiter, was man mir aus Herford mitgeteilt hat. Das Adverb "Dennoch" ist so zu erklären, dass der Rat der Stadt Herford seiner Zeit die Genehmigung zum Bau eines angemessenen Kirchturms verweigert hat. Herausgekommen ist mehr ein Dachreiter. 
Dazu passt, dass die Katholiken der Nachbarstadt Bad Salzuflen 1959 ihre Liebfrauenkirche weihten mit dem höchsten Kirchturm der Stadt. Wegen der zahlreichen katholischen Flüchtlinge vor allem aus Schlesien nach dem Krieg und wegen des Ansteigens der Kurgastzahlen wurde ein Neubau notwendig. 

In Schwalenberg befand sich bis zur Jahrhundertwende am heutigen Polhof ein Haus mit dem Chronodistichon (1656)

HAS AEDES NVTV FECERVNT PASTOR ET VXOR HERMANNVS TRINI PAXQVE BONA INSIT IIS 
(Hermann, der Pfarrer, und seine Gemahlin erbauten dies Haus hier auf der Dreieinigkeit und Friede mög' wohnen darin.[3]) 


In Horn trägt das Haus Mittelstraße 43 die Inschrift: 
NEMO GAVDET VTROQVE SINE CVRA 
(Niemand freut sich an beiden ohne Sorge. [3]) 

Es muss aber heißen 
NEMO GAVDET IN VTROQVE SAECVL
(Niemand hat Freude in beiden Welten.[3]) 

Im Jahre 1975 wurde das Haus renoviert. Vom Chronogramm waren nur drei Worte vorhanden. In Unkenntnis hat man die fehlenden Buchstaben falsch ergänzt, wie ein altes Photo bewies.
Zum Chronogramm gehört das Jahr 1671.


Foto Herbert Penke

Herbert Penke aus Horn teilte mir mit, dass dort ein zweites Chronogramm zu finden ist. Der dritte Grabstein auf der Webseite "alte Grabsteinplatten an der evangelischen Stadtkirche in Horn" trägt ein Chronogramm. 

Quelle: http://www.nhv-ahnenforschung.de/grabsteine/horn-kirche.htm

Im Hause Vordere Straße 41 in Lügde hat sich ein Chronogramm erhalten, bei dem die römischen Ziffern nicht hervorgehoben worden sind. Die Jahreszahl ist 1798. 

EX BVSTO AC PHOENIX DOMVS HAC EXSVRGITIN ALTA 
(Hier aus der Brandstätte steigt wie ein König aus der Asche das Haus in die Höhe.[4]) 
Das Chronogramm enthält einen kleinen Fehler. Statt ALTA steht heute AITA. 


In Bielefeld ziert ein Chronogramm das Barockportal des Meindersschen Hofes (Obernstraße 40). 
SOLVS IOVA DOMVS SIT AVTOR ET FAVTOR / VIVENTES IN EO PAX QVE SALVE BEET 
(Gott allein soll dies Haus hüten, schützen und fördern, den in ihm Wohnenden mögen Friede und Wohlstand zuteil werden.[5]) 

Die Jahreszahl ist 1659. 


Wiedenbrück ist reich an alten Fachwerkhäusern mit etlichen Chronogrammen. 

1) LAVS HONOR VIRTVS BENE DICTIO ET FORTITVDO SINT DEO NOBIS PROPITI
Ratskeller 
2) DANTE DEOHAS AEDES BESOLENS PAX VNA FOVEBI
Lange Straße 71 
3) AB IGNE ANNO SVPERIORE VASTATA RESVRREXI CVRA IOANNIS HESING ET MAGDALENAE OSTBERG 
(Vom Feuer im vergangenen Jahr verwüstet, bin ich wieder erstanden durch die Bemühung des Johannes Hesing und der Magdalena Ostberg)
Kirchsraße 10
4) QVOD IGNIS ABSVMPSIT POLVS FELICITER REPARAVIT
Ecke Düsternstraße / Marienstraße
Es soll noch zwei weitere Chronogramme geben. 


Über einem Seiteneingang des Gymnasium Theodorianum in Paderborn befinden sich zwei lateinische Sprüche. 
Der linke Spruch ist ein Chronogramm.
ANNO EPISCOMA
TVS SVI PADERBORNE
SIS TRIGESTIMO
1615? - Übersetzung? - Hintergrund?

Pfarr- und Wallfahrtskirche Verne (Ortsteil von Salzkotten)
MARIAE DEI  GENITRICIS OBLATIONE
(der Gottesgebärerin Maria zum Geschenk gemacht, 1656)
Quelle: http://www.verne.de/verne/geschichte/useitegeschichte2.htm

In Lemgo in befindet sich in St.Marien (12./13.Jh.) ein Epitaph (Erinnerungsmal) des lippischen Kanzlers Heinrich Kerkmann (gestorben 1603).  Die Haupttafel trägt ein lateinisches Lobgedicht auf den Verstorbenen. Sechs Zeilen sind Chronogramme. 
ACCEPIT SANCTI CELSOS HOS IVRIS HONORES
INGENII MERITO TANTA TROPAEA CAPIT (1564)
 

HIC PERIT OCTAVO TERNOQVE VBI CORNVA MAIVS
EXPLICAT AT SANCTVS SPIRITVS ASTRA PETIT. (1603)
BIS DENO ET QVINTO MAIO SVRGENTE SEPVLTVS:
GREX NOTAT ANGORES TVRBA FREQVENSQVE GRAVES, (1603)

Mitteilung von Haide Hanke (6)

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Peter Rump aus Schwerte sandte mir ein Chronogramm in Deutsch aus Iserlohn-Letmathe (Hagener Straße 105) zu: 


1797, W=VV 

In Lippstadt befindet sich ein schmuckvolles Chronogramm, auch in Deutsch.
Was WIr haben aVsgestreVt, WIrDt Von Gott WoLL abgeMeIt
1658
Was wir haben ausgestreut, wird von Gott wohl abgemäht. - Was wir gesät haben, wird von Gott geerntet.

"Johan Vogtt und Anna Ebberdes"
1658

Felix-Bastian Sprung fand im Herrenhaus Wellingsbüttel in Hamburg das folgende Chronogramm.
KEIN SCHLOSS IN ALLER WELT, NOCH WAS ES BIRGT AN SCHÄTZEN,
KANN WELLINGSB[VE]TTEL IE ALS LIEBLINGSPLATZ ERSETZEN,
SO LANG ZVFRIEDENHEIT, GL[VE]CK, FROHSINN ES BEWOHNEN,
SO LANGE ZVIETRACHT NOTH, WIE KRANKHEIT ES VERSCHONEN.

Mit Ü=VE und W=VV ergibt sich die Jahreszahl 1888.


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Das folgende Chronogramm aus Eichstätt (Bayern) beschreibt das Jahr 1686.

IESV
MARIAE
PARENTI VIRGINEAE
SINE I ABE PVRAE
PRAETEREVNDO CAVE NE SILEAT AVE!
Sei bedacht,
Jesu jungfräuliche Mutter Maria,
die Makellose,
beim Vorbeigehen mit einem "Ave" zu begrüßen.

Die meisten Chronogramme auf dieser Seite stammen aus dem (evangelischen) Norddeutschland und sind der von Holland beeinflussten Weserrenaissance zuzuordnen. Dieses anders gestaltete Chronogramm gehört zum (katholischen) Süddeutschland und zur Barockzeit. 

Diese Ergänzung ist wohl notwendig, damit durch diese Seite kein falscher Eindruck entsteht: Chronogramme waren in der Barockzeit in großer Mode, vor allem in Süddeutschland und in den Gebieten der österreichisch-ungarischen Monarchie.


Chronogramme im Internet     top

Englisch

Tony Campbell
Chronogram dates of cartographic interest

Wikipedia
Chronogram, Vicarius Filii DeiGematria



Deutsch

Webseite des Priesterseminars Brixen
Der Chronogramm Assistent

Dr. Hermann Josef Frings
CHRONOGRAMMATA

Joachim Grabinski
Chronogrammauswertung

Klaus Graf
Chronogramme

Stadt Luxemburg
Lateinische Inschriften

Wikipedia 
Chronogramm, Gematrie


Holländisch

Rik Palmans
JAARTALLEN ALS CHRONOGRAMMEN    (Chronogramme aus Maastricht und Umgebung)



Chronogramme aus Westfalen-Lippe und Umgebung

Bielefeld
Battig-Haus

Vellern
Eine kurze Geschichte des Alten Pfarrhauses

Warendorf
Chronogramme in Warendorf 

Wiedenbrück
Chronogramm von 1668 


Außerdem fand ich im Internet Hinweise auf Chronogramme in Büren, Geseke, Jülich, Kloster Dahlheim, Schloss Neuhaus, Soest, Teltge und Warburg. 

Referenzen   top
(1) Wilhelm Pölert: Alt-Salzuflen, Schötmar 1931, Neubearbeitung von Otto Pölert, Schötmar 1960 
(2) Karl Bachler: Salzuflen Anno dazumal, Lemgo 1977, Seite 59 
(3) Hanns-Peter Fink: Lateinische Hausinschriften in Lippe, Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 50.Band, Detmold 1981 (Im Internet verfügbar)
(4) Hanns-Peter Fink: Nachtrag zu den Lateinischen Hausinschriften in Lippe, Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 52.Band, Detmold 1983 (Im Internet verfügbar)
(5) Bernd Hey u.a. (Hrsg.): Historische Spaziergänge durch Bielefeld, ...
(6) Otto Gaul/Ulf-Dietrich Korn: Bau-und Kunstdenkmäler von Westfalen, 49.Band Teil 1, Stadt Lemgo
(7) Hanns-Peter Fink: Zwei Chronogramme in Bad Salzuflen, Heimatland Lippe 64. Jg., Detmold 1971 S. 114 -116
 (Im Internet verfügbar)
(8) Stefan Wiesekopsieker: Inschriften an Salzufler Häusern [ISBN 978-3-926311-57-3]


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©  1999 Jürgen Köller

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